Geistliche Impulse
Die Herrnhuter Tageslosung

Open Air & kreuz und quer

Der Sommer ist da und wird gefeiert – egal bei welchen Temperaturen. Hauptsache draußen: Das haben sich die Evangelischen aus der Heilig-Geist-Gemeinde im Oberurseler Norden und der Kreuzkirchengemeinde in Bommersheim ... Mehr dazu ...

Hybride Gottesdienste in Arnoldshain

Sehr erfolgreich waren die digitalen Gottesdienstangebote der evangelische Kirchengemeinde Arnoldshain während des Corona-Lockdowns. Mit der digitalen Kirchen erreichten Pfarrerin Tabea Kraaz und ihr Team auch solche ... Mehr dazu ...

"Passend, aber heikel"

Der für diesen Sonntag vorgesehene Predigttext könnte nicht passender sein – und zugleich nicht heikler. Denn es ist das Gleichnis vom Hausbau: Jesus sagt, wer ihn höre und ihm folge, sei wie ein kluger Mann, der ... Mehr dazu ...

Hochwasserkatastrophe: Hessen-Nassau hilft mit Schaufeln, Spenden und Seelsorge

Knapp drei Wochen nach dem verheerenden Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hält das Engagement in der Evangelischen Kirche und Hessen und Nassau (EKHN) für die Betroffenen an. Und das beginnt schon ... Mehr dazu ...
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Kritiker wie Thierse warnen vor den Folgen einer Politik, die sich zunehmend an den Bedürfnissen und Interessen spezieller Gruppen und Minderheiten ausrichtet. Sie befürchten die Spaltung der Gesellschaft.

Die Entrüstung ließ nicht lange auf sich warten. Die innerparteiliche Kritik an dem Zeitungsartikel führte dazu, dass Thierse sogar seinen Austritt aus der Partei anbot. Der Begriff „Identitätspolitik“ ist neu, wurzelt aber in den Emanzipationsbewegungen der Neuzeit. Es geht darum, Gruppen-Identität aufgrund von besonderen Merkmalen zu definieren und politisch zur Geltung zu bringen, wie etwa Herkunft, seelische Veranlagung oder Klassenbewusstsein. Im Zuge der Diskussion um Identität fragen zum Beispiel Professoren aus Oxford, ob nicht die Lehrpläne für klassische Musik kolonialistischen Charakter hätten und fordern deren Änderung – weniger Bach und Mozart, mehr z.B. afrikanische Musik. Die Frage nach der Identität wird auch von nationalistisch gesinnten Gruppen gestellt: die sogenannte „Identitäre Bewegung“ versucht die eigene Identität völkisch zu begründen.

In dieser angespannten Diskussion möchte ich versuchen, eine biblisch-christliche Orientierung zu geben, so wie ich sie verstehe. Identität bedeutet: „innerlich übereinstimmend, wesensgleich sein“. Meine Identität wird mir durch Gott zugesprochen. In Ps. 139, 14 heißt es: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ Die Tatsache, dass ich „wunderbar gemacht bin“, darf mir niemand absprechen. Christen lehnen jede Form von Rassismus ab. Rassismus erhebt sich über den anderen und spricht ihm die Gottebenbildlichkeit ab.

Meinen Wert, meine Identität kann mir niemand absprechen, da ich mich in Gottes Zuspruch gehalten weiß. Jede Ablehnung, jede erlebte Überheblichkeit anderer wirkt verletzend. Je stärker Menschen ihre Identität von Gott her definieren, umso weniger verletzend wird für sie menschliche Ablehnung sein. Um Missverständnissen vorzubeugen: die Tatsache, dass wir unsere Identität aus der Hand Gottes nehmen dürfen, ist kein Freibrief, unachtsam mit den Empfindungen von Menschen umzugehen. Wir sind immer auch auf Zuspruch anderer Menschen angewiesen, die uns so annehmen, wie wir sind. Die christliche Identität wird durch den Zuspruch Gottes in der Gemeinde gestärkt. Die identitätsstiftende Kraft der urchristlichen Abendmahlsfeier kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Da saßen Herren und
Sklaven beim Abendmahl nebeneinander. Es wurde nicht nach sozialem Stand in verschiedene Gruppen geteilt. Paulus schrieb an die Galater: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“ (Galater 3, 28). „In Christus“ – verbunden durch den Heiligen Geist, über alle weltlichen Unterschiede hinweg. Christliche Identität wird die Gemeinschaft in Christus suchen, das Verbindende, auch zu den Menschen, die ich als „ganz anders“ empfinde.

Christliche Identität bedeutet nicht: „Ich bin nun mal so!“, sondern schließt die Bereitschaft ein, es zuzulassen, dass das Leben Veränderungen und Überraschungen hervorbringen kann. Wenn ich Gott mein Leben hinhalte, zeigt er sich immer als der ganz andere. Meine Identität in Christus ist ein Weg in der Spannung zwischen meinem guten Willen und meiner begrenzten Lebenskraft. Meine Wirklichkeit und das Leben mit Jesus passen nicht immer zusammen. Identität ist ein Prozess. „Werde, der du bist“. Paulus formulierte es so: „Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln.“ (Gal 5,25). Christliche Identität wird durch Christus geformt. Die Früchte des Geistes werden zum Ausdruck der Identität in Christus: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.“ (Gal 5, 22f.)

Welche Auswirkungen sehe ich in einer manchmal aufgeheizten Debatte um Identität? In der Gemeinde möchte ich einem Geist der Wertschätzung und der Nächstenliebe Raum geben. Dies bedeutet, dass der andere sich als wertvolles Geschöpf Gottes angenommen weiß. Wo ich aber merke, dass die Frage nach Identität von Menschen missbraucht wird um andere zu dominieren, gilt es neu die Identität in Christus zu suchen: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.“ (Gal 5, 22f.)

Der Beitrag stammt aus dem Gemeindebrief der Erlöserkirchengemeinde, Juni/Juli 2021.

Dekanat Bad Homburg Evangelisches Dekanat Hochtaunus, Dekanat Bad Homburg

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