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Bad Homburg, 24.09.2020 12:18 Uhr

Kirchenpräsident: Hessen und Rheinland-Pfalz sollen Flüchtlinge aus Moria aufnehmen

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung hat am Samstag an Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer appelliert, Flüchtlinge aus dem durch einen Brand zerstörten griechischen Lager Moria auch über die von der Bundesregierung derzeit vereinbarten Kontingente aufzunehmen. „Was in der vergangenen Woche in Moria geschehen ist, war leider zu befürchten. Und es ist beschämend für ein Europa, das sich auch als Wertegemeinschaft versteht“, sagte er vor der in Offenbach tagenden Kirchensynode. Schon im März hatte Jung angesichts der bereits damals dramatischen Situation auf der griechischen Insel Lesbos darum gebeten, dass Hessen die Aufnahme von 1000 Geflüchteten und Rheinland-Pfalz von 650 Hilfesuchenden zusagt. Am 8. September hatte ein Feuer das mit rund 12.500 Flüchtlingen völlig überbelegte Camp auf der Insel Lesbos zum großen Teil zerstört. Moria gilt aktuell als das größte Flüchtlingslager Europas.

Coronakrise: Kirche im Spannungsfeld
In den Mittelpunkt seines Berichts zur Lage in Kirche und Gesellschaft stellte Jung die Situation in der Corona-Krise. Dabei stellte er die Arbeit der Kirchen in der Pandemie dar und widersprach kritischen Stimmen. „Immer wieder wird kritisiert, die Kirchen hätten in der Corona-Krise keine tragende Rolle gespielt“, sagte Jung. Wer aber auf das schaue, was in Gemeinden und Einrichtungen beispielsweise in der Seelsorge wirklich geleistet wurde, müsse zu einem anderen Schluss kommen. Sie hätten im „Spannungsfeld von Zuwendung, Gefährdungspotential und Schutz“ gestanden und mit ihrem verantwortungsvollen Handeln dazu beigetragen „eine wirkliche Katastrophe zu verhindern“. Dies sei beispielsweise in Gesprächen über die Corona-Pandemie mit internationalen Partnergemeinden beispielsweise in Italien und den USA immer wieder zum Ausdruck gekommen.

Systemrelevanz: Gefahr von Reduktion des Lebens
Jung kritisierte zugleich die einseitige Fixierung vieler auf das Thema „Systemrelevanz“ der Kirchen in der Corona-Krise und mahnte eine gründliche Auseinandersetzung an: „Dieser Begriff muss dringend noch einmal geprüft und debattiert werden.“ Eine Grundversorgung der leiblichen und ökonomischen Bedürfnisse sei in der Krise zwar wichtig. Aber es dürften nicht diejenigen herausfallen, „deren Arbeit auf geistige und seelische Bedürfnisse gerichtet ist.“ Damit begebe sich die Gesellschaft in die „Gefahr einer materialistischen Reduktion des Lebens“. Auch in der Krise müsse menschliches Leben in seiner Gesamtheit im Blick behalten werden. Dazu können Kirche und viele andere wie beispielsweise die Kultur Wichtiges beitragen. Jung: „Unsere Botschaft und unsere Arbeit haben Lebensrelevanz. Sie hilft, mit Spannungen und in Unsicherheit zu leben.“
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