Geistliche Impulse
Die Herrnhuter Tageslosung
Bad Homburg, 19.06.2020 15:39 Uhr

Beten mit den Füßen

Andacht von Pfarrer Christoph Wildfang (Arnoldshain)

Vor kurzem bin ich wieder auf unserem Laurentiuspilgerweg gewandert. Dieses Mal von Usingen kommend Richtung Arnoldshain.

Aus Richtung von St. Laurentius Usingen zur Laurentiuskirche zu Arnoldshain. Unser ökumenischer Brückenschlag. Zu Fuß.

Dieses Mal war ich mit Monika Korten, Gemeindereferentin aus Usingen unterwegs. Es war unser Pilgerschildercheck, den wir zwei Mal im Jahr machen.

Manche Bäume sind (mit unseren Schildern dran) umgestürzt, danach zersägt und manche Schilder fehlen. Eine schwierige Stelle war nach dem wunderschönen Grünwiesenweiher: alles hin und kreuz und quer. So haben wir nachgenagelt. Immer wieder gibt es Gelegenheiten innezuhalten. Pilgern meint auch sich zu entschleunigen. Es geht nicht um Strecke machen. Oft taucht der Pferdskopf auf. Es tut gut bei einem schönen Blick zu verweilen. Pferde, Hühnerwagen für freilaufende Hühner, Schafe. Es blökt und gackert. Dazwischen immer mal wieder ein QR-Code, diese schwarzweißen Schilder, wo man ein Handy mit Barcodescanner dranhalten kann. Dann erfährt der Pilger etwas über die Idee hinter dem Weg.

Ich weiß noch, als ich vor 8 Jahren hierher kam, war das gleich meine Idee: Pilgern im Usinger Land - das ist schön. Das ganze Gerede: "Früher hatten wir ..." (dieses und jenes). So kam die Idee für den Weg auf. Was hier ist, ist schätzenswert, es gibt kleine und große Sehenswürdigkeiten am Weg. Und eben Hinweise zum Reflektieren. Zum Meditieren. Bei Merzhausen sogar einen richtig schönen Gottesdienstplatz, den Pfingstborn. Dort habe ich schon manche guten Gedanken in den Himmel geschickt - und auch bekommen. Wenn ich eine Beerdigung auf dem Naturfriedhof habe, beschaue ich mir immer die Pilgerschilder. Auch ein guter Ort: über das Werden und Vergehen nachzudenken. Alles hat seine Zeit.

Der Laurentiuspilgerweg braucht auch Freunde. Die ihn pflegen und bewahren. So wollen wir nun Menschen finden, die Teilabschnitte übernehmen. Nachhämmern oder nachkleben. Manchmal muss auch ein Stückchen Weg freigeschnitten werden, damit ein Teil Pfad nicht überwuchert.

Monika Korten und ich wandern nebeneinander her. Auch Stücke hintereinander. Unterhalten uns über den Weg. Meditieren. Ruhen uns aus. Schauen auf kleine Schätze am Rande. Freundliche Menschen aus Merzhausen und Brombach erlauben uns, dass wir ein L-Pilgerschild an ihre Regenrinne kleben. Nicken freundlich. Keiner kommt uns komisch. Gaststätten zur Einkehr sind rar. Ein Höhepunkt wenigstens für ein Eis die Tanke in Brombach. Manche Hinweisschilder am Weg weisen noch auf Gaststätten hin, die es gar nicht mehr gibt. Schade drum. Und trotzdem: schön ist es. Es blüht am Wegesrand, große Ameisenhügel. Das Singen der Vögel. Freundlich grüßen uns andere Wanderer. Manch einer fragt, was wir hier tun, wenn sie sehen, dass wir Pilgerschilder erneuern. Ein Paar entschuldigt sich, dass sie 30 Sekunden früher als wir an der Bank ankamen. Macht nichts. Schön ist es im Usinger Land.

Nun übernehmen andere den Laurentiuspilgerpfad. Gute Idee mit den Teilabschnitten. Die Hälfte der Pilgerschilder gebe ich Monika Korten mit, die andere Hälfte bekommen Brita und Thomas Maurer aus Arnoldshain. Sie wandern gerne. Schon im Herbst waren sie beim letzten Pilgerwegcheck dabei. Der L-Weg ist in guten Händen.

Menschen werden diesen Weg bepilgern: Familien, Frauengruppen, Kinder. Es ist gut rauszugehen. Sich umzuschauen. Ja, die Welt hier ist schön. Bunt, wenn man sie mit Liebe und Sorgfalt betrachtet.

Ich werde nun andere Pilgerwege woanders betreten, vielleicht erst mal nach ihnen suchen. Ich bin schon einige gegangen. Den von St. Olav und den von St. Jost, den der Heiligen Elisabeth und den des Heiligen Bonifatius. Das Beten beim Pilgern werde ich nicht vergessen. Für mich ist es schon der Startpunkt. Für das Beten mit den Füßen.

Ich bekomme einen freien Kopf. Offen für Gott. Offen für Neues. Überraschende Blickwinkel. Gefühl für die Spuren Gottes in meinem Leben. Die hinter und die vor mir.

Probieren Sie es aus.

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