Auf der Tagung der Synode am 19. September 2025 wurden zwei bekannte Gesichter des DSV in eine neue Position gewählt. André Jacob, bisher stellvertretender Präses der Synode, wurde mit großer Mehrheit zum neuen Präses der Dekanatssynode bestimmt. Carola Rühl rückt mit ebenfalls großem Rückhalt der Synode als stellvertretende Präses nach. Die Nachwahlen waren nötig geworden, weil die bisherige Präses Susanne Kuzinski ihr Amt nach drei intensiven Jahren Anfang Juli niedergelegt hat. Neben den Nachwahlen stand das wichtige Thema „Gewaltprävention und Kindeswohl“ auf der Tagesordnung, bei dem sich die Synodalen erneut über die aktuellen Entwicklungen innerhalb und außerhalb ihrer Kirche informieren konnten und auch ein weiteres Mal über das Gewaltpräventionskonzept des Dekanats unterrichtet wurden.
Was sollen wir tun? Was sollen wir lassen? – Richtschnur für gutes Handeln
Was sollen wir tun? Was sollen wir lassen? Wofür treten wir ein? Dekanin Juliane Schüz warf gleich zu Beginn der Synode die Frage auf, wie Christ:innen, Kirchen und Bürger:innen in der heutigen Zeit handeln sollen. Als Richtschnur schlug sie dabei einen neuen, zeitgemäßen Blick auf die 10 Gebote vor. Sie könnten als lebensförderliche, gute Weisungen die Grundlage sein, um durch bewegte und schwierige Zeiten zu navigieren. „Mit den 10 Geboten kommen wir ins Gespräch, können im besten Fall gut und offen miteinander diskutieren, ohne bloß um Positionen zu kämpfen“, erläutert Juliane Schüz. „Es wird aber auch deutlich, wann es gilt klare Grenzen zu ziehen. Nämlich dort, wo Positionen gesichert rechtsextrem sind und Menschen die Würde des Geschöpfseins absprechen.“
Dank und Anerkennung für drei Jahre Engagement
Die Synode verabschiedete im Anschluss die bisherige Präses Susanne Kuzinski, die nach drei intensiven Jahren als Vorsitzende der Synode ihr Amt Anfang Juli zurückgelegt hat. Sie dankte Susanne Kuzinski für das große Engagement für das Dekanat in einer sehr arbeitsreichen Phase, in der viele weitreichende Beschlüsse für die Zukunft der Kirche im Hochtaunus gefasst wurden. „Wir sagen Danke für Ihre Gaben, Ihre Zeit, Ihre Geduld, für sorgsames Nachdenken und für Entscheidungen“, fasste Juliane Schüz in Worte. „Und danke auch für die Freude, die Sie an der Mitarbeit an Gottes Kirche an den Tag gelegt haben.“
Bekannte Gesichter im neuen Amt
Als neuer Präses im Dekanat Hochtaunus wurde mit großer Mehrheit André Jacob, der bisherige stellvertretende Präses, gewählt. „Ich möchte mein Möglichstes tun, das, was uns als Kirche und Gemeinschaft trägt – den Glauben an Jesus Christus und die Botschaft von Gottes Liebe zu uns Menschen, sichtbar und erlebbar zu halten“, so André Jacob in seiner Vorstellung. „Dafür bedarf es offener Ohren und eines weiten Blicks, Mut Dinge auszuprobieren und immer wieder die Bereitschaft zu Kompromissen und Verständnis für andere.“ Seine Stellvertreterin wurde mit ebenfalls großer Mehrheit Carola Rühl, die sich in ihrer Vorstellung zuversichtlich zeigte: „Mir ist es das wert, dieses Amt anzutreten. Ich liebe den Glauben. Ich bin bereit – wir rocken das Ding.“ Im Rahmen der Synode fanden noch weitere Wahlen statt:
Detlef Bauer (Friedrichsdorf-Burgholzhausen) wurde in den Dekanatssynodalvorstand sowie zum Beauftragten für die Regionale Arbeitsgemeinschaft Diakonie und Kirche im Hochtaunuskreis gewählt. Richard Brinkmeyer (Waldenserkirchengemeinde Dornholzhausen) vertritt das Dekanat im Vorstand des Zweckverbands der Ökumenischen Diakonie-Stationen Kronberg, Eschborn und Bad Homburg. Carolin Tschage, Religionslehrerin mit ehrenamtlichem Schulseelsorgeauftrag in Oberstedten, ist neue Beauftragte des Dekanats für Religionsunterricht.
Gewaltprävention und Kindeswohl – Strukturen und Haltung entwickeln
Bei einem Impulsreferat zum Thema Gewaltprävention und Kindeswohl beleuchtete Petra Knötzele, Leiterin der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die Mythen rund um sexualisierte Gewalt. „Sexualisierte Gewalt passiert leider in unserer Mitte und die Schuld liegt immer beim Akteur, nicht beim Betroffenen“, betonte Petra Knötzele. „Prävention heißt, die Mythen zu entlarven, Verantwortung zu übernehmen und aufmerksam zu sein.“ Sie informierte zudem über den aktuellen Stand der Aufarbeitung und die Erarbeitung von Leitlinien für die EKHN.
Anschließend stellten die Präventionsbeauftragten des Dekanats Hochtaunus, Dekanatsjugendreferentin Stephanie Schild und Dekanatsjugendpfarrer Ingo Schütz, die Umsetzung vor Ort vor, darunter das Schutzkonzept, das Notfallteam und die Notfallkarte. „Machen Sie sich Ihre Schutzkonzepte in den Gemeinden zu eigen“, appellierte Stephanie Schild an die Synodalen. „Ganz wichtig ist unsere innere Haltung: Wir sehen einander, wir achten aufeinander, wir nehmen einander ernst und arbeiten vertrauensvoll und gemeinsam.“ Gemeinden im Dekanat können Schulungen zu diesem Thema mit Stephanie Schild vereinbaren.
Veränderte Zusammenarbeit – Bericht des stellvertretenden Präses
André Jacob berichtete als stellvertretender Präses über die Übernahme der Leitung des Dekanats während des Pausierens von Präses Susanne Kuzinski, die eine neue Aufgabenaufteilung notwendig machte. „Wir haben einen Modus operandi gefunden, der hervorragend funktioniert“, so André Jacob. „Ich kann so die Sicht der Ehrenamtlichen konstruktiv und produktiv in die Leitung des Dekanats einbringen.“ Seit April konnten wesentliche Entscheidungen getroffen und unter anderem allein siebenregionale Stellen für Pfarrer:innen, Kirchenmusik und Gemeindepädagogik ausgeschrieben werden.
Kirche in Bewegung
Dekanin Schüz berichtete über den Transformationsprozess der evangelischen Kirche im Hochtaunus. Die ersten Schritte im Gebäudebedarfs- und -entwicklungsplan – die Bestandsaufnahmen in den Gemeinden – seien inzwischen abgeschlossen. „Wir erhalten jetzt Vorschläge der Bauabteilung unserer Landeskirche, die wir in Workshops in den Nachbarschaftsräumen beraten“, so Juliane Schüz. „Wir müssen überlegen, welche Gebäude behalten werden. Da wird es Abschiedsschmerz und Enttäuschungen geben.“ Sie hofft aber dennoch auf positive Stimmung beim Ringen um die Entscheidung.
Freudiger sei die Lage bei den aktuellen Stellenausschreibungen und Besetzungsprozessen. So seien zwei regionale Pfarrstellen neu konzipiert worden, um im Hochtaunus eine Kirche zu entwickeln, die aktiv auf die Menschen zugeht und ihnen dort begegnet, wo sie unterwegs sind. Die Bewerbungs- und Besetzungsprozesse dafür laufen derzeit.
Kirchenmusik – Kindertagesstätten - Ehrenamt
Stellvertretende Dekanin Claudia Biester hob in ihrem Bericht die Bedeutung der Kirchenmusik und der ehrenamtlichen Verkündigung hervor. „Mehr als 100 Personen stehen in unserem Verteiler für den Orgeldienst“, freut sich Claudia Biester. „Was für ein Reichtum an Liebe zur Musik und Verbundenheit zu unserer Kirche.“ Auch in der ehrenamtlichen Verkündigung habe das Dekanat einen „Schatz“ von 29 Prädikant:innen und 12 Lektor:innen, die sich mit Liebe zur Schrift und zum Gottesdienst engagieren. Um dieses Engagement zu würdigen und den Austausch zu fördern, sind alle Beteiligten zu einem Begegnungsabend im November eingeladen. „Wir freuen uns auf diesen Abend mit so vielen engagierten Menschen unserer Kirche“, so Claudia Biester. Zudem kündigte sie einen neuen Kurs für Prädikant:innen an, der im November 2025 startet.
Die Gemeindeübergreifende Trägerschaft der Kindertagesstätten wird mit Jahresende zwei weitere Kitas – die der Gedächtniskirchengemeinde in Bad Homburg – übernehmen. Claudia Biester betonte, dass die inhaltliche und pädagogische Gestaltung immer bei den Gemeinden verbleibe, während die GüT bei Themen der Personal- und Finanzverwaltung entlaste. „Die Gemeinden sind zurecht stolz auf ihre Kitas, die stark in den Kirchengemeinden verwurzelt sind“, so Claudia Biester. „Sie sind ein Ort, an dem Gemeinde gelebt wird und zugleich ein offenes Angebot an alle Familien im Umfeld.“
